Rückblick

Seit 1974 gibt es am Ende eines Biker-Jahres mit wechselnden Ver­anstaltern innerhalb der MCs und Colour- bzw. Abzeichen tra­genden Clubs die Präsidentensitzung mit einer Rallye. Im Laufe der Jahre wurde der Druck durch die Behörden, unterstützt von der Regenbogenpresse, auf diese Clubs bzw. Biker immer stärker. Ihre Clubhäuser wurden geschlossen, Partys oder Rallyes mit fadenscheinigen Gründen nicht genehmigt. Sie selber wurden als asoziale, arbeitsscheue Vergewaltiger und Schläger verhöhnt bzw. diskriminiert. Zu dieser Zeit kam einigen maßgebenden Personen der Szene der Gedanke, einmal alle Vorurteile gegenüber anderen MCs oder sogenannten freien Bikern wegzulassen und einen Verband zu gründen. Einen Dachverband für Biker bzw. Motorradrocker! Dieses Thema kam immer wieder auf den Präsidentensitzungen zur Sprache, jedoch so richtig mit diesem Dachverband anfangen wollte keiner.

Warum wurde die BIKER UNION e. V. gegründet?

Im Jahre 1986 veröffentlichten der Bundesinnenminister und die Innenminister der Länder, die die Motorradfahrer schon seit langer Zeit gegängelt hatten, ein Plakat, das das Fass zum Überlaufen brachte: Die Kriminalpolizei rätselte 'Sind Sie sicher vor Gewalt?' ", auf dem vier schwer bewaffnete Rocker abgebildet waren. Dieses Plakat wurde in sämtlichen Polizeidienststellen Deutschlands aufgehängt und war wieder einmal eine Diskriminierung der gesamten Rocker- und Bikerszene. Fußball-Rowdies oder Skinheads waren auf dem Plakat nicht zu sehen.

Die Gründung

An einem Samstag, dem 15. November 1986, trafen sich die Vertreter vieler Clubs und einige freie Biker zur Gründungssitzung eines Verbandes, der ge­gen solche Diskriminierungen vorgehen sollte. In einer Mannheimer Lagerhalle kamen weitaus mehr Clubs als erwartet zusammen. Alle gemeinsam hatten die Idee, eine größere Gemeinsamkeit und Einigung unter den deutschen Bikern herzustellen. So kamen im Laufe des Nachmittages ca. 140 Interessenten zusammen, um über die gemeinsame Sache zu diskutieren. Es wurde eine Satzung verabschiedet und ein Vorstand gewählt. Dieser Vorstand bestand aus 14 Männern und 2 Frauen. Der neu gewählte Vorstand traf sich zur ersten Vorstandssitzung am Samstag, dem 13.12.1986 im Marburger Clubhaus des LAWMEN MC.

Die Namensgebung

Der am ausführlichsten diskutierte Tagesordnungspunkt dieser Sit­zung war die Frage der Namensgebung. Inzwischen ist er hin­reichend bekannt. Aber sicherlich ist es interessant, wie er zustande gekommen ist. Zwei Stunden lang wurden alle Gründe für und gegen die Begriffe "Rocker" und "Biker", für und gegen Abkürzungen usw. mit viel Engagement, Begeisterung und Lautstärke ausgetauscht. Obwohl die Frage auf der Presi-Sitzung bereits diskutiert worden war, kritisierten einige den Begriff "Rocker" im Namen. Das könnte doch den Anschein erwecken, der Verband würde auch all diejenigen vertreten, die in der Presse als "Fußball-Rocker", "Punk-Rocker", "Polit-Rocker", "Skinhead-Rocker", etc. herumgeisterten. Im Sinne einer ver­nünftigen Öffentlichkeitsarbeit wäre der Begriff "Rocker" also zugegebe­nermaßen belastet. Dies war die eine Seite. Andererseits konnte außerhalb der Szene kaum jemand etwas mit dem Be­griff "Biker" anfangen, da er 1986 noch nicht gang und gäbe war. Viele sprachen ihn mit einem langgezogenen i-Laut ("Biiiiker") aus und wussten gar nicht, was das bedeuten sollte. Dazu kam, dass sich viele bewusst und ausdrücklich als "Rocker" verstanden. „Wir können,“ so sagte einer der Anwesenden, „unsere Ziele, Ideale und unsere Identität nicht aufgeben, nur um mögliche Missverständnisse zu verhindern und um der Öffentlichkeit ein Bild von angepassten Saubermännern vorzusetzen. In der Presse würden wir sicherlich bei irgendwelchen Meldungen doch als Rockerverband vorgestellt.“ Wenn es auch nicht alle so sahen, so einigten sich die Anwesenden irgendwann doch darauf, den Begriff „Rocker“ zwar weiterzuverwenden, aber jene Verwechslungsgefahr mit Fußballfans, Punkern, Skinheads, usw. zu verhindern, indem der Begriff zu „Motorrad-Rocker“ erweitert wurde. Der Lösung näherten sie sich schließlich, als vorgeschlagen wurde, keine Abkürzung zu ver­wenden, sondern einen ausgeschriebenen Namen wie etwa "Bike Company". Damit alle wussten, worum es gehe, sollte eine ausführ­lichere Kennzeichnung wie „Verband der deutschen Motorrad-Rocker“ verwendet werden. In dieser Richtung wurde weitergedacht. Verschiedene Vorschläge kamen auf den Tisch, und nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich auf den nunmehr offiziellen Namen „BIKER UNION e. V". Der Namenszusatz "Dachverband der Motorrad-Rocker Deutschlands" wurde im Laufe der Jahre durch "Die Interessenvertretung der Biker, Rocker & Motorradfahrer" ersetzt, da immer mehr Motorradfahrer und -fahrerinnen der BIKER UNION beitraten, die nicht der Biker-Szene angehörten. Seither nennt sich unser Verein „BIKER UNION e. V. - Die Interessenvertretung der Biker, Rocker & Motorradfahrer“.

Aufgaben der BIKER UNION e. V. in der Anfangszeit

  • das weitere Vorgehen gegen das „Gewalt-Plakat“ der Innenminister (Kontaktaufnahme mit den „Grünen“ im Bundestag, Erarbeitung einer Eingabe beim Petitionsausschuß des Bundestages);
  • die Diskussion von Integral- und Jet-Helmen;
  • die Unfallforschung zu Verletzungen von Chopperfahrern;
  • die Kontaktaufnahme mit dem Institut für Zweiradsicherheit bezüglich der TÜV-Probleme mit Motorrädern;
  • die Kontaktaufnahme mit Versicherungen, u. a., um verbilligte Grup­pentarife zu erreichen;
  • der Kampf gegen Diskriminierung von Motorradfahrern in vielen Städten, z. B. Marburg;
  • das Problem motorradfreier Zonen und Straßensperrungen;
  • das Sammeln von Erfahrungen mit der Polizei und das Einleiten ent­sprechender rechtlicher Maßnahmen mithilfe geeigneter Anwälte bei Schikanen;
  • die Zusammenstellung einer bundesweiten Liste von Rechtsanwälten, die Erfahrung mit Rechtsfragen von Rockern und Bikern haben;
  • das Zusammenstellen einer bundesweiten Liste qualifizierter und eingetragener Biker-Händler;
  • die Aufnahme von Kontakten zu solchen Händlern, die den Ver­bandsmitgliedern Rabatte gewähren;
  • die Kontaktaufnahme zu ausländischen MCs und Dachverbänden;

Später hinzugekommene Aufgaben

  • die Vertretung der BIKER UNION e. V. mit Info-Ständen auf Rallyes, Messen, usw.;
  • der Kampf gegen die gefährliche Anwendung von Bitumen im Straßenverkehr;
  • das Vorgehen gegen den Tragezwang von Protektoren-Kombis;
  • die europaweite Lobbyarbeit.

Die Entwicklung der BIKER UNION e. V. zur wichtigsten Interessenvertretung der Biker, Rocker und Motorradfahrer

Heutzutage kann die BIKER UNION e. V. mit Stolz darauf verweisen, dass diese Punkte alle aufgegriffen und zum großen Teil realisiert werden konnten. Dies zeigt, dass die damaligen Ziele realistisch abgesteckt waren. Außerdem wurden damals einige grundsätzliche Entscheidungen gefällt: Es wurde ausdrücklich festgehalten, dass die BIKER UNION e. V. sich zwar bemüht, in Streit geratene Clubs an einen Tisch zu bringen, dass sie jedoch keinesfalls Partei ergreift oder eine Richterfunktion einnimmt. Der Verband versteht sich als Vertretung aller MCs, Rocker, Motorradfahrer und Biker - ohne Bevorzugung von Namen, Abzeichen oder anderen Merkmalen. Der gewählte Vorstand vertritt vorrangig die Interessen des Verbandes. Der Verband ist in politischen Fragen überparteilich. Nachdem sich die Einsetzung eines hauptamtlichen Geschäftsführers nicht bewährt hat und dem Verband dadurch großer Schaden zugefügt wurde, beschloss der Vorstand den Verein mit einem geschäftsführenden Vorstand zu führen. Dieser Entschluss erwies sich als richtig und die BIKER UNION e. V. ist wieder auf dem Weg zur mächtigsten Motorradfahrer-Interessenvertretung aufzusteigen.

Weiterführende Informationen

Interview zur Geschichte der BIKER UNION e. V. (URL zum PDF-Dokument)

Das Interview ist ein Auszug aus:

Bikers News: "Alles über Rocker - Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen", 5. komplett überarbeitete und erweiterte Auflage, Huber Verlag, 2017, 376 Seiten, ISBN: 978-3-927896-74-1